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5 Fragen an eine Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberaterin

vor 6 Tagen
3 Min. Lesezeit

Ein kleiner Hinweis vorab: In diesem Beitrag sprechen wir über Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche. Wenn dir diese Themen gerade zu nahegehen, achte gut auf dich und entscheide selbst, ob und wann du weiterlesen möchtest.





Wir haben Natali, Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin (B.A.) und Schwangeren-Beraterin fünf Fragen gestellt. Über ihre Arbeit, die Herausforderungen rund um Schwangerschaften und darüber, warum eine wertfreie Beratung und selbstbestimmte Entscheidungen so wichtig sind. Danke, liebe Natali, für deine Zeit, deine Offenheit und den wertvollen Einblick in deine Arbeit.


Frage 1: Mit welchen Fragen, Sorgen oder Konflikten kommen Schwangere am häufigsten zu euch in die Beratung?


Jede Schwangerschaft ist individuell und wird von unterschiedlichen Lebensumständen beeinflusst. Ist es die erste Schwangerschaft oder gibt es bereits Kinder? War die Schwangerschaft geplant oder ungeplant? Gibt es eine Partnerschaft und wie steht der Partner oder die Partnerin zur Schwangerschaft? Viele Frauen kommen mit finanziellen Sorgen oder Fragen zum Elterngeld zu uns. Andere sind unsicher, welche Anschaffungen während der Schwangerschaft und nach der Geburt notwendig sind und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt. Hier können wir mit Informationen, praktischen Hilfen und gegebenenfalls auch mit finanziellen Mitteln unterstützen. Auch psychische und emotionale Belastungen spielen eine wichtige Rolle. Dazu gehören beispielsweise Ängste vor der Geburt, Sorgen um die Wohnsituation oder Konflikte innerhalb der Partnerschaft oder Familie. Bei Bedarf begleiten wir die Frauen* auch über einen längeren Zeitraum und bieten durch regelmäßige Gespräche emotionale Unterstützung.

2. Was passiert eigentlich bei einer Schwangerschaftskonfliktberatung und was sollten Menschen vielleicht wissen, bevor sie zu euch kommen?


Viele Frauen* kommen zunächst mit Ängsten oder Unsicherheiten in die Beratung. Mein Tipp vorab: Googelt nicht zu viel! Mir ist besonders wichtig, einen geschützten und wertfreien Raum zu schaffen, in dem die Frauen* offen über alles sprechen können, was sie gerade beschäftigt. Manchmal geht es dabei gar nicht ausschließlich um die Schwangerschaft, sondern auch um Konflikte in der Partnerschaft, innerhalb der Familie oder am Arbeitsplatz. Viele Frauen* kommen bereits mit einer klaren Entscheidung zu uns. Auch das ist vollkommen in Ordnung. Es gibt keine falschen Fragen und keinen vorgeschriebenen Gesprächsverlauf. Und ganz wichtig: Unsere Unterstützung endet nicht mit der Entscheidung. Auch danach können jederzeit weitere Beratungsgespräche in Anspruch genommen werden.

3. Wie unterstützt ihr Schwangere dabei, eine eigene Entscheidung zu treffen, ohne ihnen eine bestimmte Richtung vorzugeben?


Wir zeigen den Frauen* ihre verschiedenen Möglichkeiten auf und unterstützen sie dabei, eine selbstbestimmte Entscheidung zu treffen. Wenn bereits eigene Vorstellungen oder Tendenzen bestehen, helfen wir dabei, diese zu konkretisieren und die nächsten Schritte zu überlegen. Je nach persönlicher Situation können wir weitere Gespräche anbieten, an Kolleg*innen aus anderen Beratungsbereichen vermitteln, beispielsweise aus der Sucht- oder Erziehungsberatung, oder über regionale Hilfsangebote informieren. Dazu gehören unter anderem finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten, Geld- und Sachspenden sowie weitere praktische Hilfen. Entscheidend ist, dass die Frauen* ihren eigenen Weg finden können.

4. Welche Unterstützung gibt es auch dann, wenn die Entscheidung für die Schwangerschaft fällt – zum Beispiel finanziell, psychosozial oder ganz praktisch?


Es gibt verschiedene finanzielle und praktische Unterstützungsmöglichkeiten. Dazu gehören beispielsweise Hilfen über die Bundesstiftung „Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens“, die je nach Bundesland über unterschiedliche Stellen beantragt werden können. Darüber hinaus können gegebenenfalls weitere Unterstützungsangebote durch den Träger oder regionale Einrichtungen vermittelt werden. Welche Hilfen infrage kommen, hängt immer von der individuellen Lebenssituation ab. Deshalb empfehle ich, sich frühzeitig beraten zu lassen und gemeinsam zu schauen, welche Möglichkeiten bestehen.

5. Was wünschst du dir gesellschaftlich im Umgang mit ungewollten Schwangerschaften, Schwangerschaftsabbrüchen und den Menschen, die vor dieser Entscheidung stehen?


Jede Person, die schwanger werden kann, kann auch unerwartet mit einer Schwangerschaft konfrontiert werden. Nicht alle Menschen haben die körperlichen, psychischen oder strukturellen Voraussetzungen, eine Schwangerschaft auszutragen oder ein Kind großzuziehen. Und nicht jede Frau* möchte schwanger sein oder Mutter werden. Ich wünsche mir, dass wir diesen unterschiedlichen Lebensrealitäten mit mehr Verständnis, Offenheit und Respekt begegnen. Denn es geht um das Leben und die persönliche Entscheidung eines Menschen. Jede Entscheidung verdient Respekt.

Good to know von Natali:

Der Schwangerschaftsabbruch in Deutschland wird durch den § 218 StGB als Straftat behandelt. Unter bestimmten Voraussetzungen bleibt ein Schwangerschaftsabbruch jedoch straffrei. Wenn du mehr zu dem Thema wissen willst gibt es auf dem Instagram-Account @mehr.als.du.denkst viele Informationen.

Weitere Informationen und Hilfsangebote:

Du hast Fragen, Sorgen oder stehst vor einer schwierigen Entscheidung? Du musst damit nicht allein bleiben. Es gibt verschiedene Anlaufstellen, die dich vertraulich beraten und unterstützen.


Hilfetelefon „Schwangere in Not“

Unter 0800 40 40 020 erhältst du rund um die Uhr kostenlose, anonyme Beratung in mehreren Sprachen.


Schwangerschaftsberatungsstellen in deiner Nähe

Über das Familienportal kannst du eine Beratungsstelle in deiner Region finden – für persönliche Fragen, finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten oder eine Schwangerschaftskonfliktberatung.


Alli App

Digitale Begleitung zur medikamentösen Schwangerschaftsbeendigung.


Ärzt*innen für Schwangerschaftsabbrüche

Die Bundesärztekammer stellt eine Liste von Ärzt*innen und Einrichtungen bereit, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen.





 
 
 

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